Diesmal waren es nicht Landschaften oder kulinarische Highlights, die unseren Ausflug in Basel prägten – es waren Menschen. Ihre Wege. Ihre Brüche. Ihre unerwartete Stärke.

Wir trafen unseren Stadtführer Heiko vor der «Offenen Kirche Elisabethen». Dort erzählte er uns zunächst von Surprise, der Organisation, die sozial Betroffenen neue Perspektiven ermöglicht. Dann öffnete Heiko ein Fenster zu seinem eigenen Leben – ein Leben, das mit beeindruckender Offenheit zeigte, wie schnell man in die Armutsfalle geraten kann.

Einst war er Inhaber eines eigenen Unternehmens. Als zwei grosse Auftraggeber nicht bezahlten, geriet er in die Schulden. Um diese abzubauen, arbeitete er jahrelang als Baustellenleiter im In- und Ausland – oft bis zu zwölf Stunden täglich. Die Belastung führte zu einem Burnout. Immer wenn er sich wieder mühsam aufgerappelt hatte, folgte der nächste Rückschlag: ein schwerer Berufsunfall, eine lange Genesungszeit und schliesslich der Tod seiner Tochter. Das war der Punkt, an dem er den Halt verlor und in den Alkohol abrutschte.

Heiko weiss aus eigener Erfahrung, wie das Leben auf der Strasse aussieht – drei Jahre lang schlief er unter Brücken und in Hinterhöfen. Doch seine Geschichte nahm eine Wendung, die niemand erwarten würde: In der Gassenküche lernte er Liliane kennen. Aus der Begegnung wurde Liebe, aus der Liebe eine stabile Partnerschaft. Heute sind die beiden verheiratet und können sich – auch dank einer kleinen Rente von Liliane und ihren Ein-sätzen als Stadtführerin und Stadtführer – wieder eine eigene Wohnung leisten. Ja, es braucht nicht viel um schöne Augenblicke zu erleben.

Als er seine Geschichte mit dem Satz schloss: „Aufgeben ist keine Option“, waren wir alle tief berührt. Wie oft dieser Mann wieder aufgestanden ist, verdient tiefen Respekt.

Unter Heikos Leitung spazierten wir weiter zum Tageshaus Basel. Im Innenhof begrüsste uns der Leiter und berichtete über die Arbeit der Stiftung. Armuts- und suchtbetroffene Menschen finden hier ab 10 Uhr einen geschützten Ort: Sie können duschen, Kleider waschen, fernsehen oder für wenige Franken ein Mittagessen erhalten. Vor allem aber finden sie etwas, das auf der Gasse selten ist – Ruhe. Das Tageshaus hat nur wenige, aber klare Regeln: keine Streitereien, keinen Drogenkonsum, keinen hochprozentigen Alkohol. Es war beeindruckend, mit welcher respektvollen Haltung der Leiter des Tageshauses seinen Tagesgästen begegnet!

Zum Mittagessen führte uns Heiko ins Restaurant du Coeur, das von jungen Asylsuchenden betrieben wird. Dort wurde uns ein feines Dreigangmenü serviert: eine aromatische Kürbissuppe, Kebab mit Reis und Gemüse sowie ein duftender Reisflan mit Rosenwasser und Jasmin zum Dessert.

Mit einem Koffer voller Eindrücke, Gesprächen und nachhallender Gedanken traten wir die Heimreise an. Dieser Tag wird mich noch lange begleiten. Immer wieder werde ich an Heikos Worte denken: „Die Menschen denken nicht gerne, sie urteilen lieber.“

Ein herzliches Dankeschön an das Reiseteam des Seniorenrats für diese eindrückliche Erfahrung.

Linda Baldinger

Hier noch vertiefte Informationen:

Organisation Surprise-was tun wir?

Bericht vom Leiter - Tageshaus Sucht Basel 

Restaurant du cœur